Phantomschmerz: Ergotherapie per Videosprechstunde

Phantomschmerz nach einer Amputation lässt sich behandeln, mit Training, nicht nur mit Medikamenten. Routine Health behandelt Phantomschmerz und Stumpfschmerz per Videosprechstunde, bundesweit, mit Spiegeltherapie und Graded Motor Imagery, bis zu fünfmal pro Woche. Nach einem Arbeitsunfall zahlt die Berufsgenossenschaft, keine Zuzahlung. Start in der Regel innerhalb weniger Tage.

Was Phantomschmerz ist

Nach einer Amputation spüren die meisten Menschen das fehlende Körperteil weiter. Das ist normal und heißt Phantomgefühl. Wenn das Phantom schmerzt, brennt, krampft oder sich verdreht anfühlt, spricht man von Phantomschmerz. Er entsteht nicht im Stumpf, sondern im Gehirn: Die Region, die früher Hand oder Fuß gesteuert hat, bekommt keine Rückmeldung mehr und reagiert mit Schmerz.

Davon zu unterscheiden ist der Stumpfschmerz, der im Stumpf selbst sitzt, etwa durch Narben, Nerven oder die Prothese. Beides kommt oft zusammen vor, beides gehört in die Ergotherapie.

Warum Ergotherapie bei Phantomschmerz

Weil Phantomschmerz im Gehirn entsteht, setzt die Behandlung dort an. Das Gehirn braucht neue Rückmeldung von der fehlenden Seite. Genau das liefern Spiegeltherapie und Graded Motor Imagery: Das Gehirn sieht die Hand oder den Fuß wieder in Bewegung, schmerzfrei. Das ist kein Trick, sondern Training, das regelmäßig und über Wochen stattfinden muss.

Je früher nach der Amputation damit begonnen wird, desto besser. Aber auch nach Jahren ist eine Behandlung sinnvoll. Kein Ergotherapie-Platz? So geht es trotzdem weiter.

Womit wir arbeiten

  • Spiegeltherapie. Die erhaltene Seite bewegt sich vor einem Spiegel, das Spiegelbild ersetzt die fehlende Seite. Spiegel und Anleitung sind im Therapieset. Für Arm und Bein.
  • Graded Motor Imagery (GMI). Stufenweises Programm: Links-rechts-Erkennung auf Bildern, Bewegungsvorstellung, dann Spiegeltherapie. Jede Stufe bereitet die nächste vor.
  • Stumpftraining. Desensibilisierung, Narbenbehandlung, Kräftigung und Beweglichkeit des Stumpfes, als Vorbereitung auf die Prothese und gegen Stumpfschmerz.
  • Prothesentraining. Anziehen, Alltagsgriffe, Gehen, Handhabung, in Abstimmung mit Ihrem Orthopädietechniker.
  • Alltag und Beruf. Wir arbeiten mit den Tätigkeiten, die Sie zu Hause und am Arbeitsplatz brauchen, ein- oder beidhändig, mit oder ohne Prothese.

Spiegeltherapie und GMI arbeiten mit Bildern, Vorstellung und Beobachtung. Deshalb funktionieren sie in der Videosprechstunde besonders gut: Die Therapeutin oder der Therapeut sieht den Spiegelaufbau, korrigiert Position und Tempo und steigert die Übungen.

Wie die Behandlung per Videosprechstunde abläuft

  • Therapieset per Post. Spiegel in passender Größe, Material zur Desensibilisierung, Übungsmaterial und Anleitungen. Bei Bedarf ein iPad mit unserer Phantomschmerz-App für einige Monate, mit Lateralisationstraining und Übungen für zwischendurch.
  • Live-Einheiten, 30 bis 45 Minuten. Eine Therapeutin oder ein Therapeut arbeitet die ganze Zeit nur mit Ihnen.
  • Bis zu fünfmal pro Woche. Phantomschmerz braucht tägliches Training. Ohne Anfahrt ist das durchzuhalten, auch mit eingeschränkter Mobilität.
  • Übungsprogramm für jeden Tag. Kurze Einheiten, abgestimmt auf Ihre Stufe.
  • Bericht an den Arzt. Ihr D-Arzt bekommt automatisch einen strukturierten Therapiebericht mit Schmerzverlauf.

Was per Videosprechstunde nicht geht: Prothesenanpassung und manuelle Stumpfbehandlung. Dafür arbeiten wir gern mit Orthopädietechnik sowie Physio- und Ergotherapiepraxen vor Ort zusammen, die Videosprechstunde läuft parallel dazu.

Fallbeispiel: Phantomschmerz seit 20 Jahren

Ein 54-jähriger Patient mit Hüftexartikulation nach einem Polytrauma lebte seit 20 Jahren mit chronischem Phantomschmerz. Im Dezember 2023 begann die Tele-Ergotherapie, über 40 Einheiten. Die Schmerzen gingen auf der Schmerzskala von 8 auf 0 zurück, der Patient ist seit über sechs Monaten schmerzfrei und vollständig beruflich wiedereingegliedert.

Das ist ein Einzelfall. Jeder Verlauf ist anders und hängt von Amputationshöhe, Dauer der Schmerzen und Mitarbeit ab. Der Fallbericht steht auf der Seite Fachkreise.

Unsere Geschichte mit Phantomschmerz

Phantomschmerz ist der Ursprung von Routine Health. Von 2013 bis 2016 haben wir gemeinsam mit BG-Kliniken eine Tablet-Plattform für Spiegeltherapie bei Phantomschmerz entwickelt und in einer Studie geprüft, 2018 wurde daraus die Routine Health GmbH. Wir haben gelernt, dass eine App allein nicht reicht. Deshalb behandeln wir seit 2023 live per Videosprechstunde, die App ist heute eine Ergänzung. Mehr dazu auf der Seite Forschung und Entwicklung.

Was Ihr D-Arzt braucht

Ein BG-Rezept für sensomotorisch-perzeptive Behandlung, Position 11.2, mit der Diagnose Phantomschmerz oder Zustand nach Amputation. Wenn Ihr Arzt Fragen zur Videotherapie hat, verweisen Sie ihn auf unsere Seite für Fachkreise oder lassen Sie ihn uns anrufen: 0211 822678-20. Wie das BG-Verfahren insgesamt läuft, steht auf der Seite Ergotherapie nach Arbeitsunfall. Bei Fingeramputationen: Handtherapie nach Arbeitsunfall.

So starten Sie

  1. Rezept fotografieren, Vorder- und Rückseite.
  2. Auf routine.health/rezept-service hochladen.
  3. Wir stimmen alles mit Ihrer BG ab und rufen Sie an. Sie müssen nichts beantragen.
  4. Therapieset kommt per Post, erste Einheit wird vereinbart.

Häufige Fragen

Ja. Spiegeltherapie und Graded Motor Imagery werden auch bei langjährigem Phantomschmerz eingesetzt. Wie viel erreichbar ist, zeigt sich in den ersten Wochen, Ihre Therapeutin oder Ihr Therapeut bespricht den Verlauf offen mit Ihnen.

Ja. Spiegeltherapie und GMI gibt es für obere und untere Extremität. Das Therapieset enthält den passenden Spiegel, die Kamera wird entsprechend aufgestellt.

Ja. Phantomschmerztherapie und Stumpftraining beginnen unabhängig von der Prothese. Das Prothesentraining kommt dazu, sobald die Prothese da ist.

Bei Phantomschmerz meist täglich kurze Übungen plus drei- bis fünfmal pro Woche eine Einheit mit Therapeutin oder Therapeut. Das richtet sich nach dem Rezept und dem Verlauf.

Unsere Phantomschmerz-App gibt es weiterhin, als Ergänzung zur Videosprechstunde. Wer sie braucht, bekommt sie mit einem iPad für einige Monate, für das Training zwischen den Einheiten.

Ja, wenn die Amputation Folge eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit ist. Phantomschmerz gilt als Unfallfolge. Ihr D-Arzt stellt das Rezept aus, wir stimmen alles mit der BG ab.

Ja. Wir behandeln auch Patienten anderer Unfallversicherungen, bei Haftpflichtfällen (etwa nach Verkehrsunfällen) und privat Versicherte. Für gesetzlich Krankenversicherte ohne Unfallbezug ist derzeit keine Behandlung möglich. Rufen Sie an, wir sagen Ihnen in zwei Minuten, ob Ihr Fall passt: 0211 822678-20.

Nach einem Arbeitsunfall nein. Es ist eine klassische ergotherapeutische Behandlung und wird von der Berufsgenossenschaft vollständig übernommen, ebenso Material und Versand.